Interviewfrage – Was treibt Hermann Naehrings kreative Forschung an?
Wenn man jemanden nach dem inneren Motor fragt, der seine Arbeit antreibt, klingt das schnell nach einer Floskel. Bei Hermann Naehring jedoch lässt sich diese Frage konkretisieren: Welche Kombination aus Neugier, Erfahrungen und Methoden führt zu den Projekten, die man mit seinem Namen verbindet? Auf seiner website findet man Hinweise, aber noch spannender ist es, den Beweggründen in Worte zu folgen und zu verstehen, wie ein kreativer Forschungsprozess wirklich entsteht.

Wer ist Hermann Naehring?
Hermann Naehring ist kein Einzelphänomen, sondern das Produkt vieler kleiner Zündfunken: eine Ausbildung in den Grundlagen seines Fachs, jahrelange Praxis, Begegnungen mit anderen Disziplinen und ein beständiges Experimentieren. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Theorie und Praxis; er sammelt Hypothesen, prüft sie methodisch und lässt sich von unerwarteten Ergebnissen leiten. So entsteht eine Art flexibles Handwerk, das auf Intuition und strikter Dokumentation zugleich beruht.
Das Bild eines Forschers, der allein im Elfenbeinturm sitzt, trifft nicht zu. Vielmehr ist Naehring jemand, der Gespräch sucht, Beobachtungen teilt und Gastbeiträge nutzt, um eigene Annahmen zu schärfen. Daraus resultiert eine Haltung, die weniger an Dogmen als an Prozessen interessiert ist.
Persönliche Triebfedern
Was konkret antreibt? Drei persönliche Triebfedern wiederholen sich in Gesprächen über seine Arbeit: die Lust am Rätsel, die Freude am Verwerfen von Routine und die Verantwortung gegenüber der Praxis. Das Rätsel ist die wissenschaftliche Frage, die nicht sofort lösbar scheint. Routine ist der Feind jeder Kreativität; wer sie nicht hinterfragt, wiederholt lediglich Bestehendes. Verantwortung meint hier das Bewusstsein, dass Forschung Spuren hinterlässt , in Institutionen, in Produktionen oder im öffentlichen Diskurs.
Neugier als konstante Energie
Neugier ist kein flüchtiges Interesse, sondern eine beständige Bereitschaft, Hypothesen zu formulieren und zu testen. Diese Neugier äußert sich bei Naehring in konkreten Ritualen: regelmäßige Notizen, Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen und die konsequente Iteration von Prototypen. Dadurch bleibt die Forschung lebendig und anpassungsfähig.
Methoden und Experimente
Hermann Naehrings Forschung ist methodisch pluralistisch. Er greift auf qualitative Interviews, quantitative Messungen und experimentelle Prototypen zurück. Das Ziel ist nicht, mit einer Methode die Wahrheit zu beanspruchen, sondern durch trianguläre Ansätze möglichst robuste Einsichten zu gewinnen. In der Praxis bedeutet das oft: ein erster Prototyp wird in einer kleinen Gruppe getestet, die Ergebnisse werden analysiert, Parameter werden angepasst und ein neuer Zyklus beginnt.
Diese Arbeitsweise hat den Vorteil, dass Fehlannahmen früh erkannt werden. Fehler werden nicht als Misserfolg verbrämt, sondern als notwendiger Teil des Erkenntnisgewinns verstanden. Daraus entsteht eine Kultur, in der Iteration wertgeschätzt wird und schnelle Lernzyklen möglich sind.
Einfluss von Kultur und Kontext
Kein Forscher ist frei von kulturellem Kontext. Naehring bezieht gesellschaftliche Trends, ökonomische Rahmenbedingungen und technologische Möglichkeiten systematisch in seine Fragestellungen ein. Er vermeidet die Haltung, Forschung unabhängig von ihrem Umfeld zu betreiben. Stattdessen fragt er: Wie wirken sich aktuelle gesellschaftliche Veränderungen auf die Fragestellung aus? Welche ethischen Implikationen sind zu bedenken? Diese Reflexion macht seine Arbeit relevanter und anschlussfähiger für das Umfeld.
Interdisziplinarität als Prinzip
Interdisziplinarität ist bei Naehring kein Modewort, sondern eine praktische Notwendigkeit. Er arbeitet mit Designerinnen, Programmiererinnen, Soziologen und Praktikerinnen zusammen. Solche Kooperationen öffnen Blickwinkel und schaffen Erkenntnisse, die eine einzelne Disziplin vielleicht übersehen hätte. Die Herausforderung besteht darin, gemeinsame Sprache und Ziele zu finden, aber genau das erweitert oft den Horizont des Projekts.
Kommunikation und Dokumentation
Ein zentraler Aspekt kreativer Forschung ist die Art, wie Ergebnisse kommuniziert werden. Naehring legt großen Wert auf eine klare, aber nicht vereinfachende Vermittlung. Die Forschung soll nachvollziehbar bleiben; Methoden und Daten werden offen gelegt, Hypothesen werden transparent formuliert. Diese Haltung dient nicht nur der Reproduzierbarkeit, sondern auch dem Austausch mit der Öffentlichkeit und mit Fachkolleginnen und -kollegen.

Herausforderungen und Grenzen
Jede kreative Forschung hat ihren Preis. Ressourcenknappheit, Zeitdruck und widersprüchliche Erwartungen von Förderern und Praxispartnern sind nur einige der Hürden. Naehring begegnet diesen Einschränkungen mit Priorisierung: Nicht jede gute Idee wird umgesetzt, sondern diejenigen, die methodisch testbar sind und einen Beitrag zum übergeordneten Ziel leisten. Manchmal heißt das auch, Projekte vorzeitig zu beenden, um Ressourcen für erfolgversprechendere Ansätze freizusetzen.
Bedeutung für die Praxis
Was entsteht am Ende aus dieser Mischung aus Neugier, methodischer Breite und interdisziplinärer Kooperation? Konkrete Prototypen, praktikable Konzepte und oft auch neue Fragestellungen, die andere weiterführen können. Naehrings Forschung ist selten Selbstzweck; er strebt an, dass Erkenntnisse über die akademische Sphäre hinaus Wirkung zeigen. Das kann in Form von implementierbaren Lösungen, Publikationen oder auch in der Ausbildung jüngerer Forschender geschehen.
Blick nach vorn
In die Zukunft blickend, bleibt der Motor derselbe: offenes Fragenstellen, methodisches Experimentieren und die Bereitschaft, mit anderen zu lernen. Neue Technologien werden sicher Eingang finden, aber sie verändern nicht den Kern: Forschung bleibt eine kollektive, iterierende Praxis. Für Naehring bedeutet das, dass die besten Projekte diejenigen sind, die sich entwickeln dürfen, die Fehler zulassen und die Mehrstimmigkeit als Stärke begreifen.
Zusammenfassend kann man sagen: Hermann Naehrings kreative Forschung wird angetrieben von einer Kombination aus persönlicher Neugier, methodischer Vielfalt, interdisziplinärer Kooperation und einer reflektierten Haltung gegenüber Kontext und Wirkung. Diese Mischung macht seine Arbeit weder beliebig noch dogmatisch. Sie ist vielmehr ein kontinuierliches Experiment, das sich durch Offenheit und Konsequenz auszeichnet.